Es kann los gehen - die Tour startet
Dienstag, 3. März 2015 - Chanthaburi
Unsere Fahrräder wurden von der Fluggesellschaft pfleglich behandelt, obwohl sie „nur“ in Polsterfolie verpackt waren, kam alles unbeschädigt in Bangkok an. Uns war klar, dass wir nicht in dieser Millionenstadt mit unserer Radtour beginnen wollten. Aber wie bekommen wir die Fahrräder von Bangkok nach Chanthaburi, den Startpunkt unserer Radtour, etwa 250 km südlich von Bangkok? Wir hatten auf die Mitnahme der Räder in Fernbusen gesetzt und ließen uns daher vom Hotel zum Ekamai Bus-Terminal bringen, von dort fahren die Busse stündlich in Richtung Trat. Wir wussten zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht, dass die Fernbusse in der Regel sehr voll sind und es daher schwer sein würde, Fahrräder mitzunehmen. Aber schon der Transport der Fahrräder zum Bus-Terminal stellte sich als echte Herausforderung dar. Wir fanden nämlich kein Tuk-Tuk (eine Art Autorikscha), das uns zu einem vertretbaren Preis von unserem Hotel quer durch Bangkok fahren würde. Wir hatten die Fahrräder noch nicht ausgepackt, um die Chance auf eine Mitnahme im Fernbus zu erhöhen. Wenn man mit einem Tuk-Tuk längere Strecken fahren möchte, muss man ein bisschen Geduld haben und abwarten, denn es spricht sich schnell herum unter den Tuk-Tuk-Fahrern, dass es Geld zu verdienen gibt. Es war offensichtlich, dass es unter den Fahrern vor guten Hotels eine gewisse Preisabsprache gibt, also bloß nicht eine der hohen Preisforderungen annehmen. Man sollte sich also ein wenig wegbewegen von den Haltepunkten vor den großen Hotels. Irgendwann scherte einer der Fahrer aus der Preisabsprache aus und unterbreitet einem ein akzeptables Angebot. Wir hatten Glück, einer der Tuk-Tuk-Fahrer hatte als Privatwagen einen Pick-up und war bereit uns und die Fahrräder für 600 Baht (ca. 17 Euro) zum Bus-Terminal zu bringen. Auf dem Weg zum Ekamai-Bus-Terminal kamen wir mit dem Fahrer ins Gespräch und wir spürten seine Bereitschaft, uns gegen angemessene Bezahlung mit dem Auto direkt nach Chanthaburi zu fahren. Uns war mittlerweile klar, dass der Transport mit dem Fernbus völlig unsicher war, möglicherweise hätte uns kein Bus ohne Vorreservierung mitgenommen oder wir hätten uns auf mehrere Busse aufteilen müssen, weil keiner der Busse ausreichend Platz für vier Fahrräder gehabt hätte. Zudem wären wir mit dem Auto bedeutend schneller ans Ziel gekommen. Nach kurzer Verhandlung mit dem Fahrer einigten wir uns auf 3000 Baht (ca. 85 Euro) für die gut 250 km lange Strecke. Am Ende zahlten es mit allen Straßengebühren 3500 Baht.Da wir an diesem Tag auch noch geplant hatten, wenigstens ein paar Kilometer Rad zu fahren, waren wir froh als wir gegen 14:30 Uhr Chanthaburi erreichten. Das Zusammenbauen der Fahrräder dauerte gut eine Stunde, dann aßen wir für ganz kleines Geld noch sehr lecker in einer der vielen Garküchen am Straßenrand. Fast planmäßig ging es dann gegen 16 Uhr auf den ersten Teil unserer Radtour von Chanthaburi Richtung Trat. Wir hatten eine Unterkunft nach ca. 30 km Fahrstrecke vorher identifiziert, aber nichts reserviert. Wenn es gut rollte, gab es noch eine weitere Übernachtungsalternative nach ca. 50 km. Kurz nach der Stadt wurde der Verkehr deutlich weniger, wir fuhren durch Wohngebiete, es wurde ländlich. Zu unserer Überraschung trafen wir immer wieder einheimische Rennradgruppen, anscheinend war die Strecke zwischen Chanthaburi und Trat ein lokales Trainingsrevier. Wir kamen auf guten asphaltierten Straßen mit wenig Verkehr gut voran.
Achtung: Der für uns ungewohnte Linksverkehr in Thailand erfordert an allen Kreuzungen höchste Konzentration, denn man schaut automatisch in die falsche Richtung, das kann gefährlich werden.
Bei unser Übernachtungsplanung mussten wir auch den Sonnenuntergang um 18:15 Uhr im Blick behalten, denn schon kurze Zeit später würde es dunkel sein. Wir wagten 50 km zu fahren und kamen gerade noch rechtzeitig bei einsetzender Dämmerung bei einem einfachen Motel, etwa 20 km vor Trat, an. Für 300 Baht pro Doppelzimmer (ca. 8,50 Euro) erhielten wir Zimmer ohne Fenster (!), aber mit Klimaanlage. Da die Unterkunft vom nächsten Ort deutlich entfernt lag und es in der Nähe kein Restaurant gab, waren wir für das Abendessen auf einen Lieferservice angewiesen, den uns das Motel organisierte.
Mittwoch, 4. März 2015 - Trat
Wir starteten vom Motel zunächst ohne Frühstück, erreichten aber bereits nach 5 km an der Hauptstraße nach Trat ein Café. Weil es dort nicht wirklich etwas gab, was wir als Frühstück bezeichnen würden und wir zudem noch vorsichtig waren, Unverpacktes, nicht erhitztes Essen zu probieren, blieb uns nichts anderes übrig als morgens schon ein Curry mit Reis zu frühstücken. Ungewohnt, aber lecker! Wir durchquerten Trat, eine kleine Stadt mit viel Verkehr.Am Stadtrand entdecken wir schöne Backpacker-Cafés mit gutem Essen, wir zogen unsere Mittagspause vor und genossen die schöne Atmosphäre. Danach ging es auf schönen Wegen und ruhigen Nebenstraßen Richtung Küste. Erstmals wird es hügelig, wir spüren die brennende Sonne, es wird anstrengend. Zwischendurch erleben wir den thailändischen Alltag vom Fahrrad aus.
Wir kommen an Schulen vorbei, die direkt an wunderschönen Stränden liegen und durchqueren Wohngebiete. Es gibt viel zur Ablenkung zu sehen.
Insgesamt schafften wir mit zwei längeren Pausen 80 km und erreichten am Nachmittag unser Hotel (Centara Resort), das wir überraschend günstig kurzfristig am Mittag übers Internet vorgebucht hatten.
Eine wunderschöne Anlage mit Pool direkt am Strand. Wir waren so rechtzeitig am Zielort, dass wir noch einige schönen Stunden am Strand verbringen konnten.
Ganz entgegen den Internet-Bewertungen war das Hotelessen ausgezeichnet. Wir genossen den Tag mit guten Hotel-Service. Der Übernachtungspreis im Familienzimmer lag bei 3800 Baht mit Frühstück (ca. 108 Euro).
Donnerstag, 5. März 2015 - Tatai-River
Verführt durch ein vielfältiges, leckeres Frühstücksbuffet starteten wir relativ spät um 9:20 Uhr vom Hotel. Eigentlich sind bei der Hitze besonders die frühen Morgenstunden für das Radfahren ideal. Ab 10 Uhr war es schon brütend heiß. Die Tagesetappe umfasste 80 km, bis zur Grenze nach Kambodscha waren es 40 km. Wir fuhren ruhige Straßen parallel zur Hauptstraße (Nr. 3), relativ dicht an der Küste. Leider waren die Straßenabschnitte häufig von Baustellen unterbrochen, die fehlende Straßendecke war besonders für das Rennrad eine Herausforderung. Der erste Platten ereignete sich aber nicht bei schlechtem Fahrbahnbelag, sondern aufgrund von Glas auf der Straße. Auf diesem Teilstück gab es keine Geschäfte, deshalb sollte man ausreichend Trinkwasser mitführen.Den Grenzübergang Cham Yeam erreichten wir kurz nach dem Ort Hat Lek. Die gesamte Prozedur an der Grenze dauerte mehr als eine Stunde. Man braucht neben einem gültigen Reisepass ein Passbild und die Visa-Gebühr. Bei uns waren es 1300 Baht. Uns schien die Visagebühr wird nach Belieben/Gutdünken festgesetzt. Laut Internet-Information sollten es umgerechnet 1000 Baht sein, zwischenzeitlich sollten wir 1500 Baht bezahlen, am Ende durften wir für 1300 Baht pro Person einreisen. Ausgestattet mit dem Visum und den notwendigen Stempeln im Pass ging es weiter nach Kambodscha, gut einen halben Kilometer später gab es einen weiteren Check-Point, unsere Pässe wurden zum Glück akzeptiert.
Zu unserer Überraschung herrscht in Kambodscha wieder Rechtsverkehr, wir mussten uns als wieder umgewöhnen. Die Straßen hinter der Grenze im Kambodscha waren schlechter als in Thailand, aber für ein Mountainbike kein Problem. Nur der aus Thailand gewohnte Extra-Streifen am Fahrbandrand für Zweiradfahrer existierte nicht mehr. Die Straßen waren insgesamt schmaler. In der ersten Stadt Koh Kong mussten wir Geld tauschen/abheben, um etwas zu essen zu bekommen. Zu unserer Überraschung hatten die meisten Cafés Essen im Angebot, das eher an typisches Fast Food erinnerte als an einheimische Küche (Burger, Pizza). Die Preise waren in US-Dollar ausgewiesen und das Preisniveau in den Touristen-Cafés deutlich höher als in Thailand. Auch das Abheben von einheimischer Währung an Geldautomaten war nicht erfolgreich. An den ATM-Bankautomaten gab es nur US-Dollar, aber keine kambodschanische Riel. Für Touristen galten in den meisten Geschäften US-Dollar als Währung. Wir tauschten die US-Dollar in Riel und probierten die einheimische Küche in einem kleinen Restaurant. Das kambodschanische Essen war nach erster Einschätzung bei weitem nicht so schmackhaft wie in Thailand.
Im Gegensatz zu Thailand gab es hier in Koh Kong viel mehr Mopeds und Roller als Autos, ca. 80 % des Verkehrs bestand aus Zweiradfahrern. Die Stadt war nicht schön, aber es herrschte reges Treiben, aber keine Spur von Hektik. Trotz eines erheblichen Verkehrsaufkommens gab es keine Ampeln, aber trotzdem rollte der Verkehr an den Kreuzungen. Wir hatten manchmal Schwierigkeit die Straße zu überqueren oder eine Kreuzung zu passieren, weil wir einfach zu vorsichtig fuhren. Man muss hier deutlich mutiger einfach zufahren.
Verlässt man die Stadt, wird es von einer auf die andere Minute ruhig, die Menschen scheinen sich nur in der Stadt zu bewegen. Unsere nächste Unterkunft (Neptune Tatai-River-Bungalows) lag am Tatai-River flussaufwärts, nur einige Kilometer von der Straßenbrücke über den Fluss entfernt. Nach dem wir uns zuvor telefonisch angemeldet hatten, wurden wir mit einem Boot von der Hauptstraße abgeholt. Es gibt keine Straße zu den Bungalows, unsere Fahrräder konnten wir bei einem kleinen Supermarkt an der Hauptstraße zurücklassen. Die Bungalows auf Stelzen in einem schönen Garten sind ohne fließend Wasser und werden mit Solarstrom versorgt, Kosten 70 US-Dollar für ein Familien-Bungalow mit 4 Schlafplätzen, die Anlage gehört einem Deutschen.
Die erste Nacht ohne Klimaanlage war kein Problem, wir schliefen gut unter den Moskitonetzen. Außer Urwaldgeräusche gab es dort keine Lärmquellen, insgesamt eine ruhige Anlage. Das Essen wurde unkompliziert an einem kleinen Bootssteg mit Sitzecke und Hängematten serviert, eine ganz tolle Atmosphäre.
Wir essen gut und werden zu fairen Preisen satt. Wir lernten einen Traveller aus London kennen und verabredeten uns mit ihm am nächsten Morgen zu einer Kajaktour flussaufwärts. Zuvor gingen wir am Abend und am nächsten Morgen im Fluss schwimmen, nachdem wir eine Entwarnung, was wilde Tiere und Infektionsrisiken angeht, vom Besitzer der Bungalows erhalten hatten.
Entgegen unseren Erwartungen waren die Mücken morgens und abends kein großes Problem. Neben dem Eigentümer-Ehepaar arbeitete während unseres Aufenthaltes auch ein Pärchen aus Chile im Rahmen von „Work and Travel“ an diesem wunderschönen Plätzchen. Nicht wirklich überraschend, der Besitzer akzeptierte nur Bargeldzahlung in Dollar, man benötigte also ausreihende Bargeldmengen.
Freitag, 6. März 2015
Wegen der kurzen Tagesetappe über 42 Kilometer konnten wir uns an diesem Tage Zeit lassen. Unsere Radtour startete erst am frühen Nachmittag nach gutem Frühstück am Steg und einer knapp 2-stündiger Kajaktour durch eine menschenleere Gegend weiter flussaufwärts vorbei an undurchdringlichen Regenwäldern.Die kurze Etappe auf dem Rad stellte sich doch als deutlich anspruchsvoll heraus. Zunächst ging es nach dem Tatai-River für knapp 7 Kilometer mehr oder weniger nur bergauf. Auch außerhalb der Regenzeit gibt es hier kräftige Regenfälle. Einer davon erwischte uns zu einem unglücklichen Zeitpunkt auf dem Fahrrad. Wir waren in Mitten eines Niemandslandes, auf beiden Seiten der Straße war nur Dschungel als der Regen einsetzte. Das Schöne bei diesen Temperaturen ist, dass man durch warmen Regen fährt. Noch bevor wir unser Tagesziel erreicht hatten, waren wir durch den Fahrtwind fast wieder trocken.
Auf dieser Strecke gab es wenig Verkehr und keine Orte. Die Verkehrsschilder warnen vor kreuzenden Elefanten.
Wir waren bremsbereit und hofften auf „Wildwechsel“, aber es zeigten sich keine Elefanten. Bedingt durch den Regen kamen wir erst mit der Dunkelzeit an unserem Tagesziel an.
Ein kleiner Ort, im Stile von amerikanischen Westernstädten: eine Straße mit einfachen Holzhäusern, wir fanden unsere Unterkunft ein „Homestay“ nur nach Befragung von Einheimischen. Bei dieser Form der Übernachtung stellen Privatpersonen den Reisenden einzelne Zimmer zur Verfügung (2,50 $ pro Person). Die Familie betrieb ein kleines Straßencafé, in dem wir dann auch ein ausgezeichnetes Essen bekamen. Wir kamen mit dem Besitzer ins Gespräch, er leitete ein Komitee zum Schutze des Regelwaldes. Ziel seiner Arbeit war es, den Einheimischen andere Verdienstmöglichkeiten zu bieten als durch die Jagd nach bedrohten Tieren oder durch das Fällen von geschützten Bäumen. Ein solches Projekt wurde z.B. im Chi Phat Village realisiert (Cardamom- und Elephant-Gebirge in der Provinz Koh Kong), wo Einheimische als Tourguides für Wander-Touristen arbeiten.
Samstag, 7. März 2015 - Chi Phat Village
Der Gastgeber in diesem „Homestay“ spricht sehr gutes Englisch und erzählte uns, dass er die Woche über in Phnom Penh arbeite und nur am Wochenende hier Zuhause sei. Mit seiner Hilfe reparierten wir das Rennrad, bei dem sich der Steuersatz ein wenig gelockert hatte, genau dieses Werkzeug hatten wir nämlich nicht dabei gehabt.Die Tagesetappe von rund 60 km war entspannt zu fahren, nur nach ca. 26 km gibt es einen schweißtreibenden Anstieg über 2 Kilometer. Anfangs fuhren wir nur durch Wälder mit wenig Verkehr. Eine gute Orientierung waren immer wieder die Flussmündungen.
Auch unser nächstes Ziel lag an einem Fluss: Chi Phat Village, ein kleiner Ort ca. 17 km oberhalb der Mündung des Flusses „Preak Piphot“. Chi Phat ist Ausgangspunkt für Mehrtagesausflüge (Trekking- oder Mountainbike-Touren) in das Cardamom-Gebirge zur Naturbeobachtung. Alle Unterkünfte und Aktivitäten vor Ort werden zentral über das Visitor-Center vergeben. Der Ort an der Hauptstraße, von dem die Boote Richtung Chi Phat fahren, ist die letzte Chance noch einmal Geld zu tauschen. Wichtiger Hinweis: Auch in diesem Ort gibt es kein ATM-Geldautomat, nur eine Umtauschstelle, die zu einem guten Kurs Euro und US-Dollar tauscht. In Chi Path müssen Unterkünfte und Aktivitäten bar bezahlt werden.
Nach Chi Path gelangt man entweder mit dem Boot (35 $, ca. 2 Std. Fahrt) oder mit dem Fahrrad über eine 17 km lange Sandpiste, die im März gut zu befahren war. Wir fuhren in der Mittagshitze die leicht hügelige Strecke, es war anstrengend.
Am Ende musste man sich mit einem Floß auf die andere Flussseite übersetzen lassen. Wir übernachteten in einen der wenigen Bungalows mit fließendem Wasser und Strom für 20,- Dollar (zwei Einzel-Bungalows in einem schönen Garten).
Die Einnahmen fließen in einen gemeinsamen Topf aus dem ein Entwicklungsprogramm finanziert wird, das den Menschen hier Jobs im Tourismusbereich vermitteln und die Region vor Holzfällern und Wilderern schützen soll.
Sonntag, 8. März 2015 - Sihanoukville
Dies war die längste Tagesetappe der Tour mit knapp 150 km von Chi Path nach Sihanoukville. Wir starteten um 7 Uhr in Chi Path, ließen uns mit dem Floß auf die andere Flussseite übersetzen und fuhren die 17 km Sandpiste am Morgen deutlich leichter als auf dem Hinweg bei Mittagshitze. Natürlich waren wir mit dem Rad auch bedeutend schneller als die Boote auf dem Wasserweg. Obwohl es einige Stellen mit tiefen Sand gab, war die Strecke auch mit dem Rennrad befahrbar. Die 46 km auf der Hauptstraße bis zur Abzweigung nach Phnom Penh waren durch mäßig starken Verkehr gekennzeichnet. Die Straßen waren in einem guten Zustand, allerdings gab es immer wieder kurze Passagen mit groben Schotterasphalt. Wir kamen zunächst gut voran. Doch langsam baute sich ein stetiger Gegenwind auf. Ab der Kreuzung nach Phnom Penh nahm der Schwerlastverkehr auf der Schnellstraße Nr. 4 immer weiter zu, die Straße war eng mit viel Lärm und Gestank. Auf den nächsten 40 km wurde es zunehmend gefährlicher für Radfahrer. Kurz vor Prey Nob verlassen wir die Hauptstraße und fuhren über eine schöne Nebenstrecke die noch verbleibenden 45 km nach Sihanoukville. Die gleiche Route benutzten aber auch die Tanklaster, die ihre Fracht zum Tiefseehafen brachten. Die Strecke war abwechslungsreich und führte durch ein landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Unsere Fahrt wurde durch den zweiten Platten am Rennrad unterbrochen. Wir kamen schließlich zurück an die Küste mit zahlreichen schönen Strandabschnitten.Langsam nährten wir uns der Stadt, der Verkehr nahm zu, viel Gestank und Müll, hier herrschte Armut. Doch plötzlich wandelte sich das Bild, wir nährten uns dem Stadtzentrum, man sah schöne Hotels mit gepflegten Vorgärten und Pools. Pünktlich zum Einbruch der Dunkelheit erreichten wir unser Hotel, dass wir unterwegs erst 10 Minuten zuvor über Booking.com gebucht hatten.
Nach mehreren Tagen ohne Klimaanlage und ohne richtiges Bad genossen wir ein Hotel der besseren Kategorie und aßen erstmals wieder in einem Touristen-Restaurant der gehobenen Klasse.
Den Tag zusammenfassend war die Radstrecke von Chi Path nach Sihanoukville nicht empfehlenswert, besonders die Teilstrecken auf der Hauptstraße war durch den starken LKW-Verkehr bei der Hitze eine große Belastung und zum Teil auch sehr gefährlich. Leider gab es auf den Weg nach Koh Rong keine Alternative zu dieser Route.
Insel Koh Rong
9. - 11. März 2015
Wir begannen den Tag ganz entspannt: kauften ein und organisierten die Überfahrt zur Insel Koh Rong. Einige Bungalows auf der Insel konnten nicht über das Internet, sondern nur über verschiedene Büros direkt am Fährhafen in Sihanoukville gebucht werden. Wir ließen uns mit einem Tuk-Tuk dorthin bringen. Zuvor hatten wir mit dem Hotel „Villa Zentao“ vereinbart, dass wir unsere Räder im bewachten Innenhof für einige Tage abstellen durften. Auf der Insel Koh Rong Samloem gab es keine Möglichkeit mit dem Rad zufahren, es fehlen schlichtweg Wege und Straßen.Unsere erste Unterkunft auf Koh Rong Samloem waren Bungalows in der Nähe des Fähranlegers (Orchid Resort, 100 $ pro Nacht für ein 4-Personen Bungalow direkt am Strand). Bei der Überfahrt nach Koh Rong Samloem hatten wir uns für die Schnellboot-Variante entschieden (20 $ pro Person für Hin- und Rückfahrt). Das Schnellboot der Gesellschaft TBC hatte deutlich Verspätung, mit gut einer Stunde Verzögerung ging es los. Die Überfahrt nach Koh Rong sollte offiziell 40 Min. dauern. Wir waren eine Stunde unterwegs und noch weitere 45 Min dauerte es, bis wir Koh Rong Samloem erreichten. Die Überfahrt im Schnellboot war alles andere als entspannend. Möglicherweise bedingt durch die unruhige See, schlug das Boot immer wieder hart auf, als es mit hoher Geschwindigkeit durch die Wellen pflügte. Die Boote von TBC schienen nicht die schnellsten zu sein, jedenfalls waren gleichzeitig gestartete Boote anderer Gesellschaften schneller am Ziel. Die Boote waren ziemlich ausgebucht, trotzdem war die Platzwahl nicht ganz unwichtig. Wir saßen hinten im Boot und merkten zu spät, dass wir stark wir von den Dieselabgasen eingenebelt wurden.
Aber das Ziel entschädigte alle Strapazen: Die Insel Koh Rong Samloem verfügt über einen bildschönen Strand. Wir legten an einem kleinen Bootssteg an, direkt am traumhaft schönen Strand: türkisblaues Wasser und fast weißer Sand, ganz ruhig, flach auslaufendes Wasser, keine Wellen.
Auf der Insel gibt es nur wenige Bungalow-Anlagen, fast alle liegen an dem ca. 3,5 km langen Hauptstrand.
Straßen und Autos gibt es auf der Insel nicht. Die vielleicht 6 Fähren, die pro Tag anlegten, werden kaum wahrgenommen, eine sehr entspannte Atmosphäre, vielleicht auch, weil es keine Sport-Motorboote gab. Man trifft nur wenige Menschen am Strand, zum Schwimmen musste man relativ weit ins Wasser gehen, weil es lange Zeit nur knietief ist.
Ein ca. 1,5 km langer Dschungelweg führte auf die andere Seite der Insel. Der Weg lädt immer wieder zum Verweilen ein. Ungewöhnliche Vogelstimmen, eine beeindruckende Vegetation und vereinzelt Affen machten diesen Pfad zu einem Erlebnis.
Die andere Inselseite ist vom Stimmungsbild ein kompletter Gegensatz. In der Regel ist es dort deutlich windiger, oft herrscht eine deutliche Brandung, der Strand fällt etwas steiler ab, ist aber ebenfalls ungewöhnlich schön.
Unsere Bungalows für die nächsten Tage lagen auf dieser Seite der Insel am Lazy-Beach. Herzstück dieser Anlage aus ca. 19 einzeln stehenden Bungalows war das Zentralgebäude, bestehend aus einem stilistisch sehr schön angelegtem Loungebereich mit gemütlichen Sitzecken, die gleichzeitig das Café und Restaurant für die Bungalows bildeten. Diesen Bereich hat jemand mit ganz viel Liebe zum Detail eingerichtet. Ein Plätzchen zum Wohlfühlen.
Die Preise vor Ort waren in US-Dollar. Der Eigentümer begrüßte alle Gäste persönlich und verabschiedete sie auch mit ausreichend Zeit. Die Bungalows hatten fast alle direkten Blick aufs Meer, waren einfach, aber gepflegt und sauber. Es gab Handtücher. In den Bungalows gab es nur zeitweise Strom, aber gut funktionierende Duschen. Obwohl das Resort auf dieser Inselseite eine gewisse Monopolstellung hatte, was die Versorgung mit Essen und Trinken anging, waren die Preise fair. Das Essen war sehr empfehlenswert: Ob es das Red Curry war, die Frühlingsrollen oder das Müsli mit Früchten und Joghurt, alles schmeckte einfach gut! Zum Mitnehmen gab es Trinkwasser in Flaschen (1,5 L, 1 $) oder zum Nachfüllen (50 Cent).
Es existierte sogar ein Fitnessbereich mit selbst gebauten Hanteln aus Holz und Stein – natürlich unter freiem Himmel. Tagsüber gab es immer wieder Besucher von der anderen Inselseite, ansonsten war es sehr ruhig, man hörte nur die Brandung. Ein Ort zum Abschalten.
Donnerstag, 12. März 2015 - Sihanoukville
Die Rückreise nach Bangkok begann. Wir genossen noch den ganzen Vormittag am Strand und im Loungebereich, quatschten lange mit einer australischen Familie und wechselten erst um 15 Uhr auf die andere Inselseite, wo um 15:30 Uhr, überraschend pünktlich die TBC-Fähre Richtung Koh Rong ablegte.Leider fuhr die Fähre auf dem Rückweg wieder nicht direkt zum Festland, obwohl dies der kürzere Weg war, sondern mit Umweg über Koh Rong. Die Überfahrt war anstrengend, das Boot raste über die unruhige See und schlug immer wieder hart auf den Wellen auf. Es schaukelte ordentlich. Auf dem Boot war die Platzwahl wieder entscheidend: Ganz hinten konnte man wegen der Motorabgase nicht sitzen, weiter vorne im Innenraum wurde es schnell stickig heiß, wenn die Fenster wegen des Spritzwassers geschlossen wurden. Die offiziell genannten Zeiten für die Überfahrt sind Traumzeiten, die wahrscheinlich nur selten bei spiegelglatter See erreicht werden. Auch die Rückfahrt dauert 1:40 Std., wobei 1 Stunde auf die Strecke von Koh Rong nach Sihanoukville entfielen. Das Unternehmen TBC verfügte anscheinend über die langsameren Boote, wir wurden von der Konkurrenz überholt. Zum Vergleich: Das Slowboat von Koh Rong nach Sihanoukville benötigt etwa 2:20 Std. (Preis: 5 $). Die Schiffe waren in der Regel bis auf den letzten Platz gefüllt. Wir waren froh, dass wir unsere Fahrräder im Hotel „Villa Zentaow“ auf dem Festland gelassen hatten, eine Mitnahme in den Speedboaten wäre nur schwer möglich gewesen. Auf der Insel Koh Rong Samloem hätte man nur bei Ebbe am Strand fahren können, ansonsten gab es keine befahrbaren Wege.
Den Rückweg nach Bangkok hatten wir noch nicht geplant. Wir waren gespannt, was spontan möglich war und zu welchem Preis. In Sihanoukville gab es direkt am Fähranleger eine Touristen-Information, die sehr hilfreich bei der weiteren Planung war. Nach langer Diskussion und vielen Telefonaten war klar, dass uns die Bus-Gesellschaften, die nach Bangkok fuhren, wegen der Fahrräder nicht mitnehmen würden. Aber selbst, wenn es uns gelungen wäre, einen Platz in den großen Überland-Busen zu bekommen, dann wären wir nur bis zur Grenze nach Thailand gekommen, danach hieße es Umsteigen in kleine Minivans, die bis zum nächst größeren Ort (Trat) fuhren, um dort wieder in einen großen Fernbus umzusteigen. Die Fahrtzeit für die knapp 700 km nach Bangkok sollten mit dem Bus dann auch 12 Stunden betragen. Die Busfahrt nach Bangkok hätte pro Person 28 $ gekostet. Als Alternative gab es nur noch einen Privat-Transfer in einem Minivan mit Fahrer, Kostenpunkt je nach Verhandlungsgeschick zwischen 100 und 150 US-$ bis zur Grenze. Das beste Angebot erhielten wir von einer der vielen Travel-Agencies: 100 $ bis zur Grenze für 4 Personen und 4 Fahrräder, danach Grenzübertritt und umsteigen in einen weiteren Minivan und für weitere 180 $ bis zum Flughafen nach Bangkok. Aber die Tücke lag im Detail: Die 180 $ für den zweiten Transfer im Voraus zu zahlen, wäre gefährlich: wenn dann kein Fahrzeug käme, hatte man die Grenze passiert und käme nicht weiter. Wir vereinbarten also, den zweiten Teil des Fahrpreises erst an der Grenze beim zweiten Fahrer zu zahlen.
Freitag 13. März 2015 - Sihanoukville bis Bangkok
Kurz zusammengefasst, es hat alles gekappt. Wir wurden morgens um 8:30 Uhr mit einem Minivan vom Hotel abgeholt, fuhren noch einmal die komplette Radstrecke der vergangenen 6 Tage, mit Ausnahme der kleinen Umwege auf ruhigen Nebenstraßen, rückwärts.Bevor es losging, übernachteten wir noch einmal in dem ein bisschen zu noblen Hotel „Villa Zentao“, das wir ganz kurzfristig über „Booking.com“ als Schnäppchen für 76 $ gebucht hatten (zwei Doppelzimmer mit Klimaanlage, Dusche und Frühstück). Wir buchten das Hotel natürlich auch, weil dort unsere Fahrräder die zurückliegenden 4 Tage gestanden hatten. Wir waren froh, dass alles noch da war, hatten aber bei einem solch guten Hotel auch nicht wirklich Bedenken.
Die Fahrräder im Minivan zu transportieren, gestaltete sich schwieriger als gedacht. Wir mussten die Räder „zerlegen“, d.h. die Vorderräder herausnehmen und die Pedalen abbauen und zudem alles gut polstern, weil wir schon ahnten, dass ein rasanter Fahrstil in Kombination mit schlechter Straßenqualität sonst zu Schäden hätte führen können. Das Material hat die Tour überstanden!
An der Grenze war es wie zu erwarten etwas heikel: Die Grenzformalitäten erledigen, dauerte immer mindestens eine halbe Stunde. Gleichzeitig galt es den neuen Fahrer für den zweiten Transfer nicht aus den Augen zu verlieren, die Fahrräder zusammenbauen, über die Grenze zu schieben und für die Weiterfahrt wieder auseinanderzubauen. Auch das funktionierte, die Fahrt ging weiter.
Diesmal hatten wir einen „sportlichen“ Fahrer mit einem PS-starken Pick-up erwischt, der allerdings kein Englisch sprach. Von dem ersten Fahrer in Kambodscha hatten wir sehr viel erfahren, er konnte relativ viel Englisch verstehen, aber nur wenig auf Englisch erzählen. Von ihm erfuhren wir, dass die relativ armen Menschen wie er als Fahrer sehr stark von den Wohlhabenden/Reichen ausgenutzt und fremdbestimmt wurden. Aber sie hätten keine andere Wahl, seine Frau sei zu Hause und betreue die Kinder, weil sie keine Großeltern hätten, die auf die Kinder aufpassen konnten (die lebten in Thailand). Wir sprachen auch über Politik. Mit dem Primärminister (Prayuth Chan-ocha) wären sie alle nicht zufrieden. Das wichtigste für ihn sei seine Familie und natürlich „viele Dollar“ zu verdienen. Die Schule für die Kinder sei zwar umsonst, aber für eine bessere Bildung müsse man bezahlen und dafür fehlte ihm das Geld. Er war ein sehr umsichtiger, eher vorsichtiger Fahrer. Der zweite Fahrer hingegen, der uns durch Thailand bis Bangkok gefahren hatte, war viel risikobereiter, wirkte immer so, als hätte er es sehr eilig, fuhr sehr schnell und überholte ständig links und rechts. Es schien als gäbe es in Thailand kein „Linksfahrgebot“ analog zu unserem Rechtsfahrgebot. Jedenfalls wird auf zweispurigen Straßen sowohl links als auch rechts überholt. Die allermeisten Fahrer fahren eher besonnen und langsamer als bei uns, aber auch in Thailand gibt einige Raser. Geschwindigkeitsbeschränkungen werden hier nicht so ernst genommen. Unser zweite Fahrer fuhr auf den Landstraßen und Schnellstraßen trotz Vorgabe von 80 km/h durchgängig schneller als 120 km/h. Aber entgegen meiner ersten Annahme, hatte er es überhaupt nicht eilig: er legte immer wieder kurze Pausen auf den Raststationen ein und zusätzlich noch einmal zum Tanken. Das Umweltbewusstsein scheint in Thailand nicht sehr ausgeprägt: während der ersten Pause ließ der Fahrer den Motor beim Parken einfach für mehr als 10 Minuten weiterlaufen. Das war leider kein Einzelfall. Nach einer Gesamtfahrzeit von 10:45 Stunden erreichten wir den Flughafen in Bangkok.
Wir hatten für die Rückfahrt einen Puffer von einem Tag eingeplant, falls etwas mit dem Rücktransport der Fahrräder nicht geklappt hätte. Den gewonnenen Tag verbrachten wir in Bangkok. Zuvor brachten wir die Fahrräder zur Gepäckaufbewahrung am Flughafen (100 Baht pro Fahrrad je Tag (ca. 3 Euro), left luggage, 2. Stock, Section 4).
Jetzt konnten wir uns besser in dieser 8-Millionen Metropole bewegen, die über ein recht gut ausgebautes öffentliches Nahverkehrssystem verfügt. Wir nahmen den Sky-Train in die Stadt (ca. 40 Min, 35 Baht). Diesmal übernachteten wir in einem Hostel im Backpackerviertel Banglamphoo in der Nähe der Khao San Road (Bewel-Hostel, 50 $ für ein 4-Bettzimmer).
Samstag, 14. März - Bangkok
Ein wichtiges Ziel unserer Shoppingtour war es, Verpackungsmaterial für die Fahrräder für den Rücktransport im Flugzeug zu organisieren. Bei unserem ersten Aufenthalt in Bangkok hatten wir ganz zufällig in Chinatown eine Straße entdeckt (Maitri Chit Thanon), in der es in jedem zweiten Geschäft Verpackungsmaterial (Polsterfolien) zu kaufen gab, das sich optimal für die Fahrräder geeignet hätte.Nur verbrachten wir den Tag zu sorgenfrei in Bangkoks Shopping-Malls (Siam Square) und auf dem Chatuchak Weekend Market (Sky-Train: Mo Chit) und hatten nicht bedacht, dass viele Geschäfte mit Sonnenuntergang schließen. Es wurde also nichts daraus, Polsterfolie zu kaufen. Wir mussten uns kurzfristig eine Alternative ausdenken, damit die Fluggesellschaft unsere Fahrräder für den Rücktransport akzeptiert. In einem der wenigen Supermärkte / Verbrauchermärkte, die wir überhaupt in Bangkok gesehen hatten, wurden wir fündig: Wir kauften den gesamten Bestand an Frischhaltefolien (10 Rollen a 60 m) und Paketband/Klebeband.
Sonntag, 15. März 2015 - Bangkok
So ausgestattet machten wir uns am kommenden Morgen auf zum Flughafen, holten die Räder aus der Gepäckaufbewahrung und brauchten gut 11/2 Stunden bis die Pedalen ab, die Lenker quergestellt und die kompletten Räder mit Frischhaltefolie umwickelt waren. Die Räder waren am Ende mindestens so gut verpackt, wie die Koffer, die oftmals als zusätzlichen Schutz am Flughafen in Folie gewickelt wurden. So verpackt war es kein Problem die Räder als Sperrgepäck aufzugeben (Fluggesellschaft ETIHAD, Sportgepäck wird ohne zusätzliche Kosten in das Freigepäck eingerechnet, 30 kg pro Person, Anmeldung der Räder vorher notwendig).Hintergrundinformationen - Wissenswertes vor Beginn der Tour
Verwöhnt durch unser Leben in Europa, wo wir mittlerweile fast alles mit EC- oder Kreditkarte bezahlen, war uns zu wenig bewusst, wie sehr man in Ländern wie Kambodscha auf Bargeld angewiesen ist. Für alle Übernachtungen, ob in Bungalows, Hostels, Homestays oder Guesthouses ist man auf Bargeld angewiesen. Alle Zwischenmahlzeiten, jedes Essengehen, alle kleinen Einkäufe erfordern ausschließlich Bargeld.Auch wenn der US-Dollar als inoffizielle Zweitwährung akzeptiert ist, sollte man sich mit ausreichenden Mengen an Riel ausstatten. Einkäufe in Riel sind meistens günstiger als in US-Dollar. Das Umrechnen von Riel in Dollar bereitet manchen Khmer Schwierigkeiten, manchmal werden dann Fantasie-Preise in Dollar genannt. Es ist nicht einfach, zu einem günstigen Umtauschkurs an Riel heranzukommen, da die meisten Bankautomaten (z.B. ATM) oftmals nur US-Dollar ausspucken, man muss dann noch ein zweites Mal umtauschen. Auch sind die maximalen Auszahlungsbeträge einiger ATM-Bankautomaten auf 200 $ und weniger begrenzt, wobei jedes Mal 4 bis 5 $ Bearbeitungsgebühren anfallen.
In Bangkok gibt einige Straßen mit extra abgegrenzten Radstreifen, die sogar gegen ein Zuparken geschützt sind. Trotzdem kann man niemanden mit guten Gewissen empfehlen, in Bangkok Rad zu fahren. Zum einen ist es oft lebensgefährlich sich im Strom der Motorradfahrer, der Tuk-Tuk-Fahrer und der Autos zu bewegen. Es wird ständig überholt, und zwar auf allen Seiten. Zudem ist die Abgasbelastung extrem hoch. Auch die durchschnittlich 33 – 35 °C sind sehr belastend. Wer als Fahrgast an den falschen Tuk-Tuk-Fahrer gerät, lebt gefährlich: die Fahrweise als halsbrecherisch zu beschreiben, ist noch untertrieben. Der
Test: Ist ein Rennrad für eine Radtour durch Thailand und Kambodscha geeignet? Das Rennrad schlug sich mit seiner 25er-Bereifung erstaunlich gut. Der Zustand der Straßen war überraschend gut, in Thailand besser als in Kambodscha. Doch gab es immer wieder Straßenabschnitte, die eigentlich nur für Mountainbikes passierbar erschienen. Die Teerdecke fehlt komplett und der Verkehr wird trotzdem über den Schotter weitergeführt. Manche Straßenabschnitte, besonders die mit groben Schotterasphalt, sind ein Grauen für Rennradfahrer. Über die gesamte Tour betrachtet, erwiesen sich die Rennradreifen als besonders pannenanfällig. Drei Platten beim Rennrad stehen keine Platten beim Mountainbike mit Stollenreifen oder beim Mountainbike mit Slicks bzw. beim Allterrainbike gegenüber. Insgesamt fahren in Kambodscha und Thailand wenige Menschen mit dem Fahrrad. Fast alle Jugendlichen fahren ein „Moped oder Roller“, aber kein Fahrrad. Auch in Bangkok sieht man nur vereinzelt Radfahrer, meistens Touristen auf Mountainbikes, selten auch auf Rennrädern.
Die Versorgung mit Trinkwasser war auf der Tour trotz der Hitze kein Problem. Es gibt auch außerhalb der Orte immer wieder Straßenstände, die Getränke anbieten. Auch in Kambodscha, wo es nicht überall Strom gibt oder nur zu bestimmten Tageszeiten, bekommt man fast überall gekühlte Getränke. Die Kühltruhen in den Geschäften und an den Straßen werden mehrmals pro Woche mit großen Eisblöcken beliefert, die den Strom ersetzen.
Auffällig ist, dass selbst in Gegenden mit offensichtlicher Armut die meisten Jugendlichen über ein „Moped“ oder „Roller“ und über ein Handy verfügen.
Auf einigen Streckenabschnitten in Kambodscha ist das Radfahren gefährlich, vor allem in Sihanoukville, weil dort die Straßen schmal sind und viel Schwerlastverkehr unterwegs ist. Viele Autofahren in Kambodscha sehen die Straßen als Terrain für Autos und Lastwagen und drängen die Zeitradfahrer regelmäßig von der Straße. Es gab für uns als Radfahrer nur wenige wirklich brenzlige Situationen. Einmal, als ein LKW einen anderen überholte, blieb uns nichts anderes übrig als von der Straße auf den schmalen Sandstreifen zu flüchten, um zu überleben.
Unsere Haut war im März natürlich nicht auf die intensive Sonneneinstrahlung vorbereitet, trotzdem wollten wir bei der Hitze mit möglichst wenig Anzuziehen auf dem Rad sitzen. Die Verwendung von Sonnenschutzfaktor 50+ von der ersten Minute an ist dringend notwendig, auch das wiederholte Auftragen nach 2 bis 3 Stunden ist ratsam, um nicht schon am ersten Tag mit Sonnenbrand zu enden.
Keine Angst vor technischen Problemen am Rad! Besonders in den größeren Orten gibt es häufig Fahrrad- oder Zweirad-Werkstätten, bei denen man sich z.B. nach längeren Fahrten auf Staubpisten einige Tropfen Öl für die Kette abholen kann. Im Vergleich zu Thailand gibt es Kambodscha deutlich weniger Autos. In den Städten in Thailand liegt hingegen deutlich weniger Müll auf den Straßen als in Kambodscha. Die Tempelanlagen in Thailand wirken kostbarer und besser erhalten. In Kambodscha haben wir nur wenige gepflegte Privathäuser gesehen. Fast alle Kinder in Thailand, die uns auf den Fahrräder sehen, rufen begeistert „hello“, ob in Gruppen oder allein, ob dicht dran oder weit entfernt. Es scheint fast als wären Radfahrer etwas ganz Besonderes. Die Kinder in Kambodscha müssen anscheinend täglich nur von 7 bis 11 Uhr in die Schule. In Kambodscha gab es im Gegensatz zu Thailand keinen Seitenstreifen an den Straßen, der dort die Radfahrer und Mopeds von den Autos getrennt hätte. Dadurch war das Radfahren sehr viel gefährlicher. Insgesamt wird aber auch in Kambodscha sehr viel langsamer gefahren als z.B. in Deutschland. Es gibt nur sehr weniger „Raser“, leider aber auch unter den LKW-Fahrern. Viele LKW-Fahrer sind extrem vorsichtig beim Überholen von Radfahrern. In den kleineren Städten wimmelt es nur so von Mopeds und Rollern, die Autos sind dort klar in der Minderheit. Insgesamt ist der Verkehr vollkommen ungeregelt, in den meisten Städten in Kambodscha gibt es überhaupt keine Ampeln. Man gewinnt den Eindruck als herrsche hier deutlich weniger Hektik, keiner scheint in Eile.
Viele größere Orte oder Städte verdienen den Namen Stadt überhaupt nicht. Oftmals handelt es sich um eine Aneinanderreihung von Wellblechhütten, ohne Baustil, entlang nur einer Hauptstraße. Alles erinnert irgendwie an den amerikanischen Wilden Westen.
Übrigens gibt es in Kambodscha keine Münzen, der kleinste Geldschein hat einen Wert von 500 Riel (1 Euro entspricht etwa 4700 Riel). Es soll auch 100 und 50 Riel Banknoten geben, gesehen haben wir diese aber nirgends.













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