Cran Canaria menschenleer erleben – zu Fuß quer über die Insel
Unser Ziel war eine Wanderung über die Insel von Ost nach
West. Wir hatten etwas mehr als eine Woche Zeit. Am Morgen des 23. September starteten
wir ganz in der Nähe des Flughafens im Ort Agüimes. Die Wetteraussichten waren
gut, Tagestemperaturen um 27 Grad, nachts um 20 Grad und kein Regen in Sicht.
Unser Ziel war der Strand Gügüi auf der Westseite der Insel. Dieser einsame
Strand ist nur über Wanderwege zu erreichen, es gibt dort weder Unterkünfte,
noch die Möglichkeit etwas einzukaufen. Unser Weg sollte über den höchsten
Punkt der Insel, den erloschenen Vulkan Pico de las Nieves (1949 m) und vorbei
am Wahrzeichen Gran Canarias dem über 1800 m hohen Roque Nublo führen.
Wir
hatten alles dabei, um völlig autark zu sein: Zelt, Schlafsack und Proviant,
Wasser allerdings nur für 2 Tage. Wir hatten unsere Tour auf der Komoot-App
geplant, teilweise auf Wanderwegen, die auf den offiziellen Karten nicht
verzeichnet waren.
Der erste Tag hatte es in sich: bei großer Hitze haben wir
mehr als 1000 Höhenmeter, verteilt auf knapp 12 km bewältigt. Die
Ausschilderung aus dem Ort Agümies war sehr dürftig, nur die zur Kontrolle
immer wieder geöffnete Komoot-App hat uns geholfen, den richtigen Weg zu finden.
Nur mit Karte hätten wir uns hoffnungslos verlaufen. Obwohl die Sonne vom
blauen Himmel brannte, war die Sicht zurück auf die Küste und über das Meer
eingeschränkt, es war sehr diesig.
Der Aufstieg war durch eine eher karge,
trockene Landschaft geprägt. Vorbei an den letzten Häusern ging es teilweise
quer Feld ein durch Disteln und trockene Sträucher, weiterhin waren die Wege
nur spärlich gekennzeichnet, aber der mitlaufende Kontrollpunkt auf dem Handy
wies uns den richtigen Weg. Wir brauchten deutlich mehr Wasser als erwartet, es
war heiß an diesen Tagen Ende September. Ungefähr ab 800 Höhenmeter tat sich
vor uns eine vielfältige Gebirgslandschaft aus trockenen Felswänden und einem
grünen Tal auf. Dort unter verlief eine Straße zum letzten Parkplatz. Wir
fanden für die Mittagspause einen Schattenplatz auf 1000 m Höhe und am
Nachmittag eine ebene Stelle auf einer wilden Wiese für unser Zelt (1300 m).
Trotz der Höhe blieb es heiß. Bis zu diesem Zeitpunkt waren wir nur zwei
Wanderern begegnet. Die ganze Gegend schien menschenleer. Zu dieser Jahreszeit
ging die Sonne um 20 Uhr unter und wir konnten fast bis 8 Uhr am nächsten
Morgen schlafen bis uns die aufgehende Sonne weckte. Hier oben herrschte totale
Stille, einziges Geräusch waren fliegende Insekten.
Entspannt, bei angenehmen
Temperaturen ging es die ersten Stunden am nächsten Morgen weiter. Immer wieder
taten sich schöne Blicke auf, schroffe Felsformationen und grüne Täler. Die
Wege waren am zweiten Tag gut zu erkennen und einfach zu wandern, aber eine
Kontrolle über die vorher geplante Route auf dem Handy erwies sich als
notwendig, sonst wären wir komplett falsch gelaufen. Der Handy-Empfang war
während der ersten zwei Tage ausgezeichnet.
Gegen Mittag erreichten wir den
höchsten Punkt unserer Tour mit knapp 2000 m, den Pico de las Nieves.
Ein herrlicher Blick in alle Richtungen; vor uns lag eine wunderbare Felslandschaft fast ohne Straßen oder Orte. Hierherauf führte eine schmale Straße zu einem Aussichtspunkt, an dessen Ende auf einem kleinen Parkplatz sich ein Kiosk befand. Auf diese Verpflegungsstelle hatten wir in unserer Planung gesetzt, den unser Wasservorrat ging auf die Neige. Wir tranken vor Ort soviel wir konnten und kauften gut 3 Liter Wasser für die nächsten 24 Stunden.
Ein herrlicher Blick in alle Richtungen; vor uns lag eine wunderbare Felslandschaft fast ohne Straßen oder Orte. Hierherauf führte eine schmale Straße zu einem Aussichtspunkt, an dessen Ende auf einem kleinen Parkplatz sich ein Kiosk befand. Auf diese Verpflegungsstelle hatten wir in unserer Planung gesetzt, den unser Wasservorrat ging auf die Neige. Wir tranken vor Ort soviel wir konnten und kauften gut 3 Liter Wasser für die nächsten 24 Stunden.
Der Weg führte
jetzt durch lichte Kiefernwälder. Auf einem Felsplateau auf ca. 1700 m Höhe mit
Blick auf den Roque Nublo schlugen wir am Nachmittag unser Zelt auf.
Der Blick
über das leicht hügelige Binnenland mit kleinen Stauseen war atemberaubend. Bis
zum Sonnenuntergang blieb es heiß, auch an den folgenden Tagen, abends und
nachts waren die Temperaturen angenehm, aber immer noch so warm, um in kurzer
Hose und T-Shirt rumzulaufen. Rund um den Roque Nublo begegneten wir vielleicht
3 bis 4 Wanderern, am Abend aber waren wir wieder vollkommen allein. Insgesamt
hatten wir 13 km an diesem Tag zurückgelegt.
Die Wege waren weiterhin gut zu
gehen, auf dem trockenen Fels hatte man guten Halt. Nur bergab gab es immer
wieder Geröllpassagen, die konzentriertes Gehen erforderlich machten. Das
Schattenspiel der auf- und untergehenden Sonne über den felsigen Gebirge war
ein Traum.
Am nächsten Tag half uns auch wieder nur ein mobiler Kiosk (am
Einstieg zum Roque Nublo), um unseren Durst zu löschen und die Wasservorräte
für einen weiteren Tag aufzufüllen. Die Versorgung mit Trinkwasser stellte auf
dieser Tour eine große Herausforderung dar, zumal die Sonne auch in den
folgenden Tagen gnadenlos vom Himmel brannte. Die Höhe brachte wenig
Erleichterung, der zeitweise aufkommende Wind hingegen war ein Wohltat.
Der
Roque Nublo gilt nicht umsonst als das Wahrzeichen der Insel, bei schönem
Wetter kann man stundenlag den Ausblick über die Insel genießen.
Der jetzt vor uns
liegende Teil der Wanderung ging wieder durch eine vollkommen unbewohnte aber
wunderschöne Berglandschaft, entsprechend gering war die Chance irgendwo
zwischendurch Trinkwasser zu bekommen.
Wir entschlossen uns daher beim Kreuzen
einer Bergstraße (GC60) unsere Route für den Einkauf von Wasser zu verlassen.
Wir versteckten unsere Rucksäcke und wanderten ohne Gepäck über die Straße in
den nächsten Ort, in dem es wenigstens eine Bar gab (Casa Melo, Avacata), in
der wir Wasser und überraschend auch etwas Milch bekamen. Schwer beladen mit
Getränken für zwei Tage wanderten wir noch einige Kilometer bis wir mit Blick
auf einen Stausee (Embaise de la Cueva de la ninas) einen traumhaften Platz in
1300 m Höhe für unser Zelt gefunden hatten.
An diesem Tag waren wir 4 ½ Std.
unterwegs und legten dabei gut 15 km zurück. Wir haben immer zeitig unser Zelt
aufgeschlagen, um noch bei Tageslicht zu kochen und den beeindruckenden
Ausblick zu genießen. Zum Glück war die Zeit vor Sonnenuntergang relativ
mückenarm, wenn überhaupt, dann gab es nur sehr kleine Mücken, deren Stiche
aber genauso weh taten wie die der großen Verwandten. Insgesamt waren wenig
Insekten auf unseren Plätzen anzutreffen. In den ersten Tagen waren es vor
allem Fliegen, später auch wenige Wespen und manchmal Ameisen, aber alles nicht
wirklich störend.
Der vierte Tag unserer Wanderung war wieder ein Highlight.
Auf dem Höhenweg unterhalb des Montana de Ojeda hatten wir einen großartigen
Blick auf ein Tal das die Orte La Aldea de San Nicola und Mogan verbindet. Auf
dem mehrere Kilometer langen Höhenweg (1100 m) eröffnete sich der Blick auch
auf das zum Meer hinführende Tal bei Tasarte.
Wir nährten uns in großen
Schritten unserem Ziel, der Westküste mit dem Strand von Gügüi. Auf der
gesamten Tagesetappe von etwas mehr als 15 km hatten wir keinen Menschen getroffen,
und das, obwohl dieser Abschnitt wirklich grandiose Ausblicke bescherte. Wir
waren froh, dass wir ausreichend Essen und Getränke bei uns hatten, um für eine
weitere Nacht unser Zelt auf einem Felsen in 1100 m Höhe mit Blick auf die
Berge der Westküste aufschlagen zu können.
Der folgende Tag sollte uns bis ans
Meer führen. Beeindruckt von der Aussicht verliefen wir uns am nächsten Morgen
auch prompt und waren erst nach mehr als 2 Kilometern Umweg wieder auf unserer
Route. Wir hatten geplant einige Tage am Strand von Gügüi zu verbringen, das
bedeutete wir benötigten dringend Nachschub an Getränken und Essen.
Ursprünglich hatten wir geplant nach Tasarte abzusteigen, um uns dort im
einzigen Supermarkt mit dem Nötigsten einzudecken. Nach dem der weitere Weg auf
ein Hochplateau mit großartigem Panorama mündete, änderten wir unsere Pläne und
wanderten direkt zum Ort San Nicola/El Cardonal, um uns dort mit neuem Proviant
zu versorgen.
Um nicht 12 km auf der engen, kurvenreichen Straße laufen zu
müssen, ließen wir uns zum Ort Tasartico fahren und setzten von dort unsere
Wanderung zum Strand von Gügüi fort. Obwohl es „nur“ etwas mehr als 300
Höhenmeter waren bis zum ersten Blick auf das Meer, machte uns dieser Aufstieg
mit Proviant für 2 Tage in der Nachmittagssonne bei wieder 27 Grad ordentlich
zu schaffen. Die Anstrengung wurde mehr als belohnt. Am Nachmittag des 5. Tages
hatten wir den atemberaubenden Aussichtspunkt direkt über dem Meer erreicht.
Das Geröll auf den Wegen machte den Abstieg mit den schweren Rucksäcken zu
einer rutschigen Angelegenheit. Nach etwas mehr als 17 km waren wir am Ziel.
Vorbei an „Aussteiger-Hütten“ in kleinen grünen Oasen erreichten wir den Strand von Gügüi, um uns nach der Anstrengung endlich im Meer abzukühlen.
Vorbei an „Aussteiger-Hütten“ in kleinen grünen Oasen erreichten wir den Strand von Gügüi, um uns nach der Anstrengung endlich im Meer abzukühlen.
Der Strand war
feinsandig und flach auslaufend. Auf den ersten Blick wirkte der Strand eher
klein und die einzig zuverlässig trockene Stelle war schon von einem Zelt
belegt. Aber der erste Eindruck täuschte, wir waren bei Flut angekommen. Einige
Stunden später gab das Wasser eine kleine Landzunge frei auf der wir zum
größeren, ca. 600 m langen Strandstück mit feinem schwarzen Sand gelangten.
Mitten in der Woche waren wir hier für einen Tag die einzigen Besucher. Eingerahmt
war der Strand von 500 m hohen, steilen Bergen. Nachdem das steigende Wasser
den Landzugang wieder geschlossen hatte, waren wir für einen Tag an diesen
wunderschönen Naturstrand komplett allein.
Erst am Samstagmittag kamen die
ersten Spanier, um hier ihr Wochenende zu verbringen. Innerhalb von wenigen
Stunden waren 5 oder 6 kleinere Gruppen mit Zelten an diesem nur zu Fuß oder
über das Meer zu erreichendem Strand. Schattenplätze waren rar gesät. Am
Nachmittag brannte die Sonne unerbittlich. Allerdings dauert es auch fast bis
zum Mittag bis die Sonne über die Berge den Strand erreichte.
Insgesamt war der
Strand und auch das ganze Campingareal sehr sauber, es war so gut wie kein Müll
zu sehen. Wer einmal ein paar Tage ohne Handyempfang sein möchte, der ist hier
genau richtig.
Zurück in die Zivilisation gab es noch einen zweiten Weg. Dieser
führte über einen 700 m Pass und erreicht nach ca. 12 km den Ort La Aldea de
San Nicola.
Der Rückweg vom Strand in die Zivilisation
































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