Freitag, 5. Oktober 2018

Cran Canaria zu Fuß erleben – von der Ost- zur Westküste wandern


Cran Canaria menschenleer erleben – zu Fuß quer über die Insel





Unser Ziel war eine Wanderung über die Insel von Ost nach West. Wir hatten etwas mehr als eine Woche Zeit. Am Morgen des 23. September starteten wir ganz in der Nähe des Flughafens im Ort Agüimes. Die Wetteraussichten waren gut, Tagestemperaturen um 27 Grad, nachts um 20 Grad und kein Regen in Sicht. Unser Ziel war der Strand Gügüi auf der Westseite der Insel. Dieser einsame Strand ist nur über Wanderwege zu erreichen, es gibt dort weder Unterkünfte, noch die Möglichkeit etwas einzukaufen. Unser Weg sollte über den höchsten Punkt der Insel, den erloschenen Vulkan Pico de las Nieves (1949 m) und vorbei am Wahrzeichen Gran Canarias dem über 1800 m hohen Roque Nublo führen. 

Wir hatten alles dabei, um völlig autark zu sein: Zelt, Schlafsack und Proviant, Wasser allerdings nur für 2 Tage. Wir hatten unsere Tour auf der Komoot-App geplant, teilweise auf Wanderwegen, die auf den offiziellen Karten nicht verzeichnet waren. 

Der erste Tag hatte es in sich: bei großer Hitze haben wir mehr als 1000 Höhenmeter, verteilt auf knapp 12 km bewältigt. Die Ausschilderung aus dem Ort Agümies war sehr dürftig, nur die zur Kontrolle immer wieder geöffnete Komoot-App hat uns geholfen, den richtigen Weg zu finden. Nur mit Karte hätten wir uns hoffnungslos verlaufen. Obwohl die Sonne vom blauen Himmel brannte, war die Sicht zurück auf die Küste und über das Meer eingeschränkt, es war sehr diesig. 



Der Aufstieg war durch eine eher karge, trockene Landschaft geprägt. Vorbei an den letzten Häusern ging es teilweise quer Feld ein durch Disteln und trockene Sträucher, weiterhin waren die Wege nur spärlich gekennzeichnet, aber der mitlaufende Kontrollpunkt auf dem Handy wies uns den richtigen Weg. Wir brauchten deutlich mehr Wasser als erwartet, es war heiß an diesen Tagen Ende September. Ungefähr ab 800 Höhenmeter tat sich vor uns eine vielfältige Gebirgslandschaft aus trockenen Felswänden und einem grünen Tal auf. Dort unter verlief eine Straße zum letzten Parkplatz. Wir fanden für die Mittagspause einen Schattenplatz auf 1000 m Höhe und am Nachmittag eine ebene Stelle auf einer wilden Wiese für unser Zelt (1300 m). 


Trotz der Höhe blieb es heiß. Bis zu diesem Zeitpunkt waren wir nur zwei Wanderern begegnet. Die ganze Gegend schien menschenleer. Zu dieser Jahreszeit ging die Sonne um 20 Uhr unter und wir konnten fast bis 8 Uhr am nächsten Morgen schlafen bis uns die aufgehende Sonne weckte. Hier oben herrschte totale Stille, einziges Geräusch waren fliegende Insekten. 

Entspannt, bei angenehmen Temperaturen ging es die ersten Stunden am nächsten Morgen weiter. Immer wieder taten sich schöne Blicke auf, schroffe Felsformationen und grüne Täler. Die Wege waren am zweiten Tag gut zu erkennen und einfach zu wandern, aber eine Kontrolle über die vorher geplante Route auf dem Handy erwies sich als notwendig, sonst wären wir komplett falsch gelaufen. Der Handy-Empfang war während der ersten zwei Tage ausgezeichnet. 

Gegen Mittag erreichten wir den höchsten Punkt unserer Tour mit knapp 2000 m, den Pico de las Nieves. 


Ein herrlicher Blick in alle Richtungen; vor uns lag eine wunderbare Felslandschaft fast ohne Straßen oder Orte. Hierherauf führte eine schmale Straße zu einem Aussichtspunkt, an dessen Ende auf einem kleinen Parkplatz sich ein Kiosk befand. Auf diese Verpflegungsstelle hatten wir in unserer Planung gesetzt, den unser Wasservorrat ging auf die Neige. Wir tranken vor Ort soviel wir konnten und kauften gut 3 Liter Wasser für die nächsten 24 Stunden. 


Der Weg führte jetzt durch lichte Kiefernwälder. Auf einem Felsplateau auf ca. 1700 m Höhe mit Blick auf den Roque Nublo schlugen wir am Nachmittag unser Zelt auf. 


Der Blick über das leicht hügelige Binnenland mit kleinen Stauseen war atemberaubend. Bis zum Sonnenuntergang blieb es heiß, auch an den folgenden Tagen, abends und nachts waren die Temperaturen angenehm, aber immer noch so warm, um in kurzer Hose und T-Shirt rumzulaufen. Rund um den Roque Nublo begegneten wir vielleicht 3 bis 4 Wanderern, am Abend aber waren wir wieder vollkommen allein. Insgesamt hatten wir 13 km an diesem Tag zurückgelegt. 


Die Wege waren weiterhin gut zu gehen, auf dem trockenen Fels hatte man guten Halt. Nur bergab gab es immer wieder Geröllpassagen, die konzentriertes Gehen erforderlich machten. Das Schattenspiel der auf- und untergehenden Sonne über den felsigen Gebirge war ein Traum. 



Am nächsten Tag half uns auch wieder nur ein mobiler Kiosk (am Einstieg zum Roque Nublo), um unseren Durst zu löschen und die Wasservorräte für einen weiteren Tag aufzufüllen. Die Versorgung mit Trinkwasser stellte auf dieser Tour eine große Herausforderung dar, zumal die Sonne auch in den folgenden Tagen gnadenlos vom Himmel brannte. Die Höhe brachte wenig Erleichterung, der zeitweise aufkommende Wind hingegen war ein Wohltat. 

Der Roque Nublo gilt nicht umsonst als das Wahrzeichen der Insel, bei schönem Wetter kann man stundenlag den Ausblick über die Insel genießen. 


Der jetzt vor uns liegende Teil der Wanderung ging wieder durch eine vollkommen unbewohnte aber wunderschöne Berglandschaft, entsprechend gering war die Chance irgendwo zwischendurch Trinkwasser zu bekommen. 




Wir entschlossen uns daher beim Kreuzen einer Bergstraße (GC60) unsere Route für den Einkauf von Wasser zu verlassen. Wir versteckten unsere Rucksäcke und wanderten ohne Gepäck über die Straße in den nächsten Ort, in dem es wenigstens eine Bar gab (Casa Melo, Avacata), in der wir Wasser und überraschend auch etwas Milch bekamen. Schwer beladen mit Getränken für zwei Tage wanderten wir noch einige Kilometer bis wir mit Blick auf einen Stausee (Embaise de la Cueva de la ninas) einen traumhaften Platz in 1300 m Höhe für unser Zelt gefunden hatten. 


An diesem Tag waren wir 4 ½ Std. unterwegs und legten dabei gut 15 km zurück. Wir haben immer zeitig unser Zelt aufgeschlagen, um noch bei Tageslicht zu kochen und den beeindruckenden Ausblick zu genießen. Zum Glück war die Zeit vor Sonnenuntergang relativ mückenarm, wenn überhaupt, dann gab es nur sehr kleine Mücken, deren Stiche aber genauso weh taten wie die der großen Verwandten. Insgesamt waren wenig Insekten auf unseren Plätzen anzutreffen. In den ersten Tagen waren es vor allem Fliegen, später auch wenige Wespen und manchmal Ameisen, aber alles nicht wirklich störend. 


Der vierte Tag unserer Wanderung war wieder ein Highlight. Auf dem Höhenweg unterhalb des Montana de Ojeda hatten wir einen großartigen Blick auf ein Tal das die Orte La Aldea de San Nicola und Mogan verbindet. Auf dem mehrere Kilometer langen Höhenweg (1100 m) eröffnete sich der Blick auch auf das zum Meer hinführende Tal bei Tasarte. 




Wir nährten uns in großen Schritten unserem Ziel, der Westküste mit dem Strand von Gügüi. Auf der gesamten Tagesetappe von etwas mehr als 15 km hatten wir keinen Menschen getroffen, und das, obwohl dieser Abschnitt wirklich grandiose Ausblicke bescherte. Wir waren froh, dass wir ausreichend Essen und Getränke bei uns hatten, um für eine weitere Nacht unser Zelt auf einem Felsen in 1100 m Höhe mit Blick auf die Berge der Westküste aufschlagen zu können. 


Der folgende Tag sollte uns bis ans Meer führen. Beeindruckt von der Aussicht verliefen wir uns am nächsten Morgen auch prompt und waren erst nach mehr als 2 Kilometern Umweg wieder auf unserer Route. Wir hatten geplant einige Tage am Strand von Gügüi zu verbringen, das bedeutete wir benötigten dringend Nachschub an Getränken und Essen. Ursprünglich hatten wir geplant nach Tasarte abzusteigen, um uns dort im einzigen Supermarkt mit dem Nötigsten einzudecken. Nach dem der weitere Weg auf ein Hochplateau mit großartigem Panorama mündete, änderten wir unsere Pläne und wanderten direkt zum Ort San Nicola/El Cardonal, um uns dort mit neuem Proviant zu versorgen. 


Um nicht 12 km auf der engen, kurvenreichen Straße laufen zu müssen, ließen wir uns zum Ort Tasartico fahren und setzten von dort unsere Wanderung zum Strand von Gügüi fort. Obwohl es „nur“ etwas mehr als 300 Höhenmeter waren bis zum ersten Blick auf das Meer, machte uns dieser Aufstieg mit Proviant für 2 Tage in der Nachmittagssonne bei wieder 27 Grad ordentlich zu schaffen. Die Anstrengung wurde mehr als belohnt. Am Nachmittag des 5. Tages hatten wir den atemberaubenden Aussichtspunkt direkt über dem Meer erreicht. 




Das Geröll auf den Wegen machte den Abstieg mit den schweren Rucksäcken zu einer rutschigen Angelegenheit. Nach etwas mehr als 17 km waren wir am Ziel. 


Vorbei an „Aussteiger-Hütten“ in kleinen grünen Oasen erreichten wir den Strand von Gügüi, um uns nach der Anstrengung endlich im Meer abzukühlen. 



Der Strand war feinsandig und flach auslaufend. Auf den ersten Blick wirkte der Strand eher klein und die einzig zuverlässig trockene Stelle war schon von einem Zelt belegt. Aber der erste Eindruck täuschte, wir waren bei Flut angekommen. Einige Stunden später gab das Wasser eine kleine Landzunge frei auf der wir zum größeren, ca. 600 m langen Strandstück mit feinem schwarzen Sand gelangten.


Mitten in der Woche waren wir hier für einen Tag die einzigen Besucher. Eingerahmt war der Strand von 500 m hohen, steilen Bergen. Nachdem das steigende Wasser den Landzugang wieder geschlossen hatte, waren wir für einen Tag an diesen wunderschönen Naturstrand komplett allein. 


Erst am Samstagmittag kamen die ersten Spanier, um hier ihr Wochenende zu verbringen. Innerhalb von wenigen Stunden waren 5 oder 6 kleinere Gruppen mit Zelten an diesem nur zu Fuß oder über das Meer zu erreichendem Strand. Schattenplätze waren rar gesät. Am Nachmittag brannte die Sonne unerbittlich. Allerdings dauert es auch fast bis zum Mittag bis die Sonne über die Berge den Strand erreichte. 

Insgesamt war der Strand und auch das ganze Campingareal sehr sauber, es war so gut wie kein Müll zu sehen. Wer einmal ein paar Tage ohne Handyempfang sein möchte, der ist hier genau richtig. 


Zurück in die Zivilisation gab es noch einen zweiten Weg. Dieser führte über einen 700 m Pass und erreicht nach ca. 12 km den Ort La Aldea de San Nicola. 



Der Rückweg vom Strand in die Zivilisation

Tagesetappe am 4. Tag

Tagesetappe am 3. Tag

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